Stress im Job trifft junge Arbeitnehmende häufiger – warum?

Stress im Job trifft junge Arbeitnehmende häufiger – warum?

Die Arbeitnehmenden in der Schweiz leiden immer häufiger an psychischen Belastungen, insbesondere an Stress. Die jüngeren Generationen trifft dies am härtesten.

Gemäss Gesundheitsförderung Schweiz ist der stressbedingter Produktivitätsverlust bei den 16- bis 24-Jährigen am grössten. Weshalb ist diese Altersgruppe mehr durch Stress belastet? Was beschäftigt die jungen Arbeitnehmenden in ihrem Berufsalltag? Sind sie überfordert oder fehlt es an notwendigen Ressourcen? Und wie können Unternehmen und Vorgesetzte unterstützen?

Umgang mit Stress

Grundsätzlich sind junge Arbeitnehmende ähnlichen Stresssituationen und Belastungen ausgesetzt, wie ihre älteren Kollegen. Der Unterschied besteht eher darin, wie mit stressigen und eher schwierigen Situationen im Arbeitsalltag umgegangen wird. Hat man bereits positive und erfolgsbasierte Erfahrungen mit schwierigen und eher stressigen Situationen gemacht und kann sich auf seine persönlichen Strategien im Umgang mit Stress verlassen, oder eher nicht?

Körperliche und soziale Entwicklung von Jugendlichen

Die körperliche und die soziale Entwicklung der Jugendlichen sind oft (noch) nicht aufeinander abgestimmt. Klaffen körperliche Entwicklung und Anforderungen an die soziale Reife und Selbständigkeit eines jungen Arbeitnehmenden auseinander, so kann dies zu beträchtlichem Stress bei Jugendlichen führen. Dies gilt sowohl für früh körperlich entwickelte mit einer kindlichen Gefühlswelt wie auch für spät körperlich entwickelte, welche jedoch bereits über gute Selbst- und Sozialkompetenzen verfügen.

Identitätsfindung – Wer bin ich?

Identität ist die Antwort auf die Frage: «Wer bin ich?». Jugendliche und junge Erwachsene müssen sich damit auseinandersetzen, wer sie sind, was sie wollen, wie sie soziale Beziehungen pflegen wollen, was ihre wichtigen Lebensziele und Werte in den Bereichen Beruf, Ideologie (Religion, Politik) etc. sind. Im Berufsalltag wird diese Findungsphase oft nicht mitberücksichtigt. Dieser Altersgruppe werden dieselben Anforderungen gestellt wie ihren älteren Arbeitskollegen. Folglich kann diese Findungskrise im Arbeitskontext vermehrt Stress auslösen und die jungen Arbeitnehmenden nebst dem daily business belasten.  

Der Selbstwert entwickelt sich erst im Lauf des Lebens

Das Selbstwertgefühl ist das Gefühl, das durch eine Selbstbewertung erzeugt wird. Menschen mit einem hohen Selbstwertgefühl fühlen sich grundsätzlich gut und sind hoffnungsvoll. Hat jemand ein niedriges Selbstwertgefühl, so erlebt sich diese Person häufig wertlos, deprimiert und hoffnungslos. Jugendliche müssen ihren Selbstwert erst noch festigen. Irritationen wie bspw. ein taffes und unhöfliches Email, können dazu führen, dass Jugendliche sich gekränkt und persönlich angegriffen fühlen. Dies kann zur Folge haben, dass sie ihre eigenen Kompetenzen als schlecht und ungenügend bewerten. 

Alltägliche Berufsinteraktionen – für junge Arbeitnehmende Stress pur!

Junge Arbeitnehmende werden auf unterschiedlichen Ebenen im Berufsalltag gefordert und zum Teil auch überfordert. Ein Kundengespräch kann z.B. für einen Lernenden zu einer grossen Herausforderung werden. Gemäss diversen Studien stufen gerade junge Arbeitnehmende solche Konfrontationen mit Kunden, als äusserst belastend und stressig ein. Die Jugendlichen werden in unangenehmen Kundeninteraktionen mit unterschiedlichen Befürchtungen konfrontiert. So treten bei den jungen Arbeitnehmenden Empfindungen auf wie bspw. das Gefühl des Scheiterns, Selbstzweifel, Angst einen Fehler zu machen und danach Unmut vor den Reaktionen des Vorgesetzen sowie Angst davor, die Arbeitsstelle verlieren zu können. Es liegt also bei den Vorgesetzten und den Unternehmen, diese jungen Mitarbeitenden gezielt in diesen Belangen zu unterstützen. 

Hilfestellungen für Vorgesetze von jungen Mitarbeitenden

  • Regemässige Befindlichkeitsgespräche mit jungen Arbeitnehmenden führen.
  • Bei der Arbeitsplanung Unterstützung anbieten oder mit den jungen Arbeitnehmenden gemeinsam eine Planung entwickeln. 
  • Göttiprinzip einführen: erfahrene, ältere Arbeitnehmende können die jungen Arbeitnehmenden bei beruflichen oder privaten Belangen unterstützen und / oder beraten. 
  • Evtl. Empowerment durch die Unterstützung älterer MA bei Themen wie Digitalisierung etc.
  • Ein regelmässiges Kommunikationsgefäss schaffen, wo sich Peers austauschen können.
  • Gezielte Fehlerkultur vorleben, um dadurch den Druck zu minimieren und Wertschätzung sowie Anerkennung auszudrücken. 
  • Als Vorgesetzter stets eine Vorbildfunktion einnehmen: z.B. Worklife Balance leben; geregelte On-Offline Richtlinien einhalten, etc.

Weiterer Ratgeber für junge Arbeitnehmende / deren Vorgesetzte / HR / Ausbildner
  • FWS-apprentice.chUm die psychische Gesundheit von jungen Erwerbstätigen im Betrieb zu stärken, baut Gesundheitsförderung Schweiz das Angebot Friendly Work Space Apprentice auf. Mit Massnahmen auf digitaler Ebene sollen in Zukunft junge Mitarbeitende direkt angesprochen und der Peer-to-Peer-Austausch gefördert werden.
  • «Die Jugend von heute ist die Zukunft von morgen.» In diesem Sinne liegt es in unserer gesellschaftlichen Verantwortung diese Generation gezielt zu unterstützen und falls notwendig auch zu schützen.