Depression: So können Angehörige helfen

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Fast jede fünfte Person erkrankt im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Für Betroffene wie für Angehörige eine schwierige Situation. Dennoch können Familienmitglieder einiges tun, um Erkrankte zu unterstützen.

Ab wann ist es eine Depression?

Depressive Verstimmungen oder Traurigkeit sind normale Gefühlszustände, die wir alle kennen. Der Unterschied zu einer klinischen Depression besteht im Ausmass der Symptomatik sowie in der Dauer der Symptome.

Für eine erste Einordnung kann folgender Zwei-Fragen-Test sinnvoll sein:
  1. Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?
  2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Werden beide Fragen mit Ja beantwortet, ist eine Abklärung beim Hausarzt, Psychiater oder einer Psychotherapeutin sinnvoll.

Was können Angehörige tun?

Wenn ein nahestehender Mensch an einer Depression leidet, löst dies bei Angehörigen grosse Verunsicherung aus: Wie soll ich damit umgehen, wenn mein Mann plötzlich wie abwesend wirkt? Soll ich ihn ansprechen oder in Ruhe lassen? Ist es kontraproduktiv, wenn ich meiner Frau sage, dass ich mir grosse Sorgen um sie mache? Und kann man überhaupt helfen?

Gut zu wissen ist zunächst Folgendes: Depressionen sind kein unumkehrbares Schicksal, sie lassen sich behandeln. Je früher man professionelle Hilfe sucht, desto höher sind die Heilungschancen. Deswegen darf man zuversichtlich sein und der erkrankten Person sagen, dass es ihr bald wieder besser gehen wird.

Angehörige können zusätzlich helfen, indem sie
  • die erkrankte Person darin unterstützen, an einer Therapie dranzubleiben.
  • da sind und zuhören.
  • versuchen zu verstehen, wie sich eine Depression anfühlt.
  • die Krankheit ernst nehmen, ohne sie herunterzuspielen, aber auch nicht zu dramatisieren.
  • bereit sind, die Erkrankung gemeinsam auszuhalten und durchzustehen.
  • geduldig bleiben.

Was sollten Angehörige nicht tun?

«Schau, wie schön die Sonne scheint. Versuch doch, es zu geniessen». Depressive hören derlei gut gemeinte Aufforderungen oft. Sie sind aber genauso ungünstig wie Ermahnungen und Vorwürfe: «Jetzt nimm dich halt mal zusammen.» Depressive Menschen wünschen sich nichts mehr, als wieder aktiv und guter Dinge zu sein. Aber sie sind durch ihre Erkrankung vom eigenen Organismus ausgebremst. Sie können nicht wollen. Deshalb ist es wenig hilfreich oder verschlimmert das Problem sogar, an ihren Willen zu appellieren.

Sinnvoll hingegen ist
  • jemanden zu bestärken, wenn er Eigeninitiative zeigt.
  • ihn dabei zu unterstützen, nach und nach wieder zu einem geregelten Tagesablauf zu finden. Denn oft sind es die einfachsten Tätigkeiten wie sich anziehen oder zum Briefkasten gehen, die unüberwindbar geworden sind. Jeder noch so kleine Schritt zählt.

Depression bei Eltern: Wie erkläre ich meinem Kind, was Mama oder Papa hat?

Wenn es Eltern schlecht geht, spüren dies schon kleine Kinder haargenau. Sie können es aber nicht einordnen, was um sie herum passiert und geben sich schnell die Schuld dafür. Deshalb sollten Eltern sie damit nicht alleine lassen und ihnen die Krankheit erklären. Gute Hilfsmittel dafür sind Bücher: «Mamas Monster» oder «Annikas andere Welt» sind für kleinere Kinder gedacht. Für ältere Kinder und Jugendliche eignet sich «Mein Schwarzer Hund: Wie ich meine Depression an die Leine legte».

Depression aus Sicht einer Angehörigen (Podcast)

Wie ist es für eine Mutter, wenn ihre Tochter unter Depressionen leidet und sich sogar selbst verletzt? Wir fragen Claudia, wie man als Angehöriger mit der Krankheit umgehen kann, wie kann man Erkrankte unterstützt und wie man sich selbst schützt.

«Hallo Claudia» – Depression aus Sicht einer Angehörigen

Wir fragen Claudia, wie man als Angehöriger mit der Krankheit umgehen kann, wie kann man Erkrankte unterstützt und wie man sich selbst schützt.
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Depression aus Sicht einer Betroffenen & eines Arztes

Bei Naima ging die Depression so weit, dass sie sich selbst verletzte. Naima, 19 Jahre alt, spricht über Selbstverletzung, Depressionen und warum es so wichtig ist, offener mit dem Thema Depression umzugehen. 

Wir sprechen auch mit Dr. Pfaff über seinen Weg als Arzt, welche Chancen er in der Behandlung von psychischen Erkrankungen sieht und was für ihn dabei am wichtigsten ist. 

Was tun, wenn Angehörige keine Kraft mehr haben?

Eine Depression kann sich über Monate hinziehen, was für Angehörige kräftezehrend ist. Sie fühlen sich zuweilen ohnmächtig oder schuldig, sind erschöpft und überfordert und manchmal auch wütend. Wichtig ist, diese Grenzen zu erkennen und auf die eigene Gesundheit achten, indem man

  • eine Auszeit nimmt.
  • sich mit Freunden austauscht.
  • sich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige anschliesst.
  • bei Bedarf selbst zum Therapeuten geht oder mit dem oder der Erkrankten zusammen ein «Angehörigengespräch» vereinbart. Es kann erleichternd sein, von einer Fachperson zu hören, wie Depressionen ablaufen, welche Behandlungsoptionen es gibt und dass es legitim ist, wenn sich auch Angehörige Hilfe holen.

Wichtig: Sich nicht einfach vom Erkrankten abwenden, sondern ehrlich sein und sagen, dass man weiterhin da sein wird, es alleine aber nicht schafft.

Wie gehen Angehörige mit Zurückweisung um?

Depressive Menschen lassen manchmal niemanden an sich heran und können abweisend sein. Das ist für jene, die helfen wollen, schwer nachvollziehbar und kränkend. Aber: Wer depressiv ist, tut dies nicht aus böser Absicht, sondern weil er in diesem Moment nicht anders reagieren kann. Angehörige, die sich dies bewusst machen und die Abweisung nicht persönlich nehmen, schaffen es besser, damit umzugehen. Weniger günstig wäre, sich seinerseits von der erkrankten Person abzuwenden.


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